Mister Burke, welche Vorbildung ist für einen VFX Supervisor besser: Film oder Grafikdesign?
Es ist jedenfalls kein Fehler, beides zu haben. Meiner waren Fotografie und Grafik, und ich habe das recht gut in den Film übersetzen können. Man sollte einen guten Einblick in die Filmarbeit haben – sowohl in die technische als auch die kreative Seite.
Was sind ihre Aufgaben, wenn es an einen typischen Spielfilm geht?
Das kommt auf den Stand des Projekts an: Als erstes gehe ich das Drehbuch mit meinem Produzenten durch, plane und kalkuliere die Effekte, befrage den Regisseur, was er so will und binde seine Vorstellungen ein. Daraus wiederum ziehen wir unsere Schlüsse für Budget und Technik – was im Produktionsstadium dann benötigt wird. Dazu können Entwurf und Bau mechanischer Hilfsmittel gehören, Sets, Konzeptbilder, Lichteffekte und so weiter…
Dann beginnt die Produktionsphase, wenn mit den Schauspielern gedreht wird. Auch da bin ich für alle VFX-Arbeiten am Set, arbeite eng mit dem Regisseur und den Leitern der anderen Abteilungen zusammen, um sicherzugehen, daß wir alles so gedreht bekommen, daß wir später damit arbeiten können. Wir drehen auch oft spezifische Effektteile und Greenscreen-Szenen, die ich selbst inszeniere.
Wenn der Dreh abgeschlossen ist, geht es in die Postproduktion, wo die Effektarbeit beginnt und wir in die einzelnen Szenen gehen. Das ist für mich die arbeitsreichste Phase. Die VFX-Abteilung kann nun ins Unermeßliche wachsen, ich arbeite mit einem riesigen Team von VFX Artists an Hunderten oder gar Tausenden von Einstellungen.
Nehmen wir einen ganz normalen dieser Arbeitstage – wofür geht die meiste Zeit drauf?
Meine Tage bestehen daraus, mit meinen führenden Supervisors die Arbeiten zu begutachten und mich um die verschiedenen Sequenzen zu kümmern. Dazu kann gehören, mit Postproduktionshäusern auf der ganzen Welt zu arbeiten. In dem Fall hätte ich dann morgens eine Videokonferenz mit australischen Firmen, besuche tagsüber Londoner Studios und telefoniere abends mit Kollegen in den USA. Zwei- oder dreimal die Woche treffe ich mich mit dem Regisseur, zeige ihm die neuesten Arbeiten und notiere seine Anmerkungen. […]
Wie ist eine so große Postproduktionsabteilung wie bei Harry Potter aufgebaut?
Das kann ich tatsächlich nicht einfach beantworten, weil hier eine Menge Leute an verschiedenen Aufgaben sitzen. Um von oben zu beginnen: Ich suche mir für jede Abteilung den Supervisor aus, mit dem ich an dem Film am liebsten arbeiten würde, der mir für die Aufgabe als der Geeignetste erscheint. Diese Supervisor bilden um sich jeweils ihr Team, das am besten zu der jeweiligen Aufgabe paßt.
Wenn es also etwa um einen animierten Charakter geht, hätten wir ein großes Team von Animatoren und einen Animation Supervisor meiner Wahl. Das würde verstärkt durch Spezialisten für Modelling, Licht und Texturen sowie ein Team fürs Compositing, das die Arbeit abschließt. Wenn es aber um Kulissen ginge, bräuchten wir gar keine Animatoren, aber ein starkes Team für Modelling, Licht und Compositing. Damit wird deutlich: Die Aufgabe bestimmt, welches Team gebraucht wird. Und die Menge der Einstellungen bestimmt die Größe des Teams – wie auch den Zeitplan.
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Was war der schwierigste Teil im jüngsten Abenteuer?
Die animierten Charaktere. All die Kreaturen und besonders Dobby, der Hauself. Die Zuschauer sollten eine Beziehung zu ihm aufbauen, mit ihm fühlen, um zu glauben, daß er stirbt. Die Leute sind an gute und schlechte CG-, also am Rechner erstellte Charaktere gewöhnt. Wenn Dobby nicht aussähe, als habe er eine Seele, hätten wir den Moment der großen Gefühle am Ende des Films verpaßt. Aber die Animatoren bei Framestore sind brillant, und wir hatten hervorragende Vorlagen.
Tatsächlich war aber die Zerstörung der bösen Horkrux-Kreatur die schwerste Einstellung – sehr abstrakt und ein Haufen Arbeit für die Kollegen bei Rising Sun in Australien: Wie sieht das aus, wenn eine Seele auseinandergerissen wird? David Yates hatte eine Vorstellung gegen Ende der Aufnahmen im Kopf, und wir mußten uns etwas ausdenken. Solche subjektiven Dinge sind ja Interpretationssache. Wir blieben dran und übersetzten seine Ideen mit Gesichtsaufnahmen von Ralph Fiennes. Wir benutzten Mova, das gleiche Motion-Capture-System, das bei Der seltsame Fall des Benjamin Button verwendet worden war, um die verzerrten Gesichter von Voldemort zu einer sich windenden Masse zusammenzufügen.
Und über die ganze Dekade gesehen – was waren die schwersten Tricks bei Harry Potter?
Wir reizten die verfügbare Technik immer so weit aus wie nur möglich. Wenn ich alle Filme an mir vorbeiziehen lassen, war der Riese im fünften nicht unser bester, und es gibt allerlei Gründe, warum er nicht funktionierte. Der Charakter wurde in der Mitte des Films verändert, weil er dem Regisseur nicht gefiel, und wir mußten all unsere Vorarbeiten wegwerfen. Das Ergebnis fühlt sich einfach nicht gut an.
Wir hatten andere schwierige Sachen, die gut liefen. Der Hippogreif war eine ziemliche Herausforderung und außerdem der Star des vorigen Films. Aber die abstrakten, subjektiven Effekte sind die schwierigsten – und alle Potter-Filme haben solche. Es ist ja nicht wie bei einer realen Umgebung, an der man so lange herumschraubt, bis alles echt wirkt. Wenn man eine gequälte Seele aus einem Horkrux zerstören muß, ist das schon ein hartes Stück Arbeit.
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